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Beobachtungen zum Verhalten der grün gefärbten Mambas PDF Drucken E-Mail

Beobachtungen zum Verhalten der grün gefärbten Mambas (Dendroaspis viridis, Dendroaspis angusticeps und Dendroaspis jamesoni kaimosae) im Terrarium

Roger Aeberhard

 

Einleitung

Obwohl Dendroaspis viridis, Dendroaspis angusticeps und Dendroaspis jamesoni kaimosae zur gleichen Gattung der Dendroaspis gehören, können die Unterschiede im Verhalten nicht grösser sein. Die im weiteren Verlauf dieses Artikels beschriebenen Beobachtungen wurden im Laufe der letzten Jahre an meinen eigenen Tieren in meinen Terrarien gemacht. Es kann somit ohne weiteres sein, dass andere Halter andere Erfahrungen zum Verhalten seiner Mambas macht, die nicht mit meinen übereinstimmen. Doch auch bei Gesprächen mit anderen Dendroaspis-Haltern finden sich immer wieder die gleichen Verhaltensparameter und Beobachtungen.

 

Wesenszüge


Wesenszüge von Mambas

Mit Sicherheit besitzt jede Mamba ihren eigenen Charakter. Trotzdem ist es sehr auffällig, wie die meisten Mambas einer Unterart ein ähnliches Verhalten zeigen. Das schwierigste bei allen drei Unterarten ist sicher das Herausnehmen aus einem Terrarium. Das ist ihr Zuhause und dort fühlen sie sich wohl, wenigstens bei richtiger Haltung. Bei einer Paar- oder Gruppenhaltung wird das Unterfangen, ein Tier aus dem Terrarium zu holen, nicht unbedingt leichter.

 

Dendroaspis angusticeps gehört da in der Regel zu den leichteren Aufgaben. Nach Erfahrungen von Kollegen und Schlangenfänger aus Südafrika sind 9 von 10 Dendroaspis angusticeps eher friedfertig und bleiben sehr ruhig. Das trifft auch auf meine beiden D. angusticeps zu, obwohl sie von unterschiedlicher Herkunft sind. Werden die Tiere aufgeschreckt und versuchen sie zu flüchten, so geschieht dies meist relativ langsam, so dass man noch gut den Überblick behalten kann. Hantiert man im Terrarium, so flüchten die Schlangen meist gar nicht und man kann sie bei Bedarf regelrecht „vom Geäst pflücken“, d.h. ganz ruhig mit dem Schlangenhaken herausnehmen. Erheblich flinker und nervöser ist dagegen Dendroaspis viridis: Manche Terrarianer bezeichnen sie deshalb als „Porsche“ unter den Mambas. Die Tiere sind sehr flinke Kletterer und fliegen fast schon durch’s Geäst. Will man eine Grüne Mamba fangen, so braucht es viel Geschick: Am Besten berührt man die Schlange erst mit einem langen Haken am Schwanzende. Dadurch wird sie fast immer zur Flucht nach vorne aus dem Terrarium und auf einen zweiten Hacken den man ihr hinhält, veranlasst. Ist sie einmal draussen, wird sofort der hintere Haken weggelegt und die Schlange mit der Hand auf Höhe der Kloake festgehalten. Wichtig ist, dass man das Tier nicht zu weit hinten am Schwanz festhält. Das Schwanzende ist bei Mambas nicht sehr muskulös, obwohl sich die Tiere damit gut an Ästen festhalten können. Hält man die Schlange mit der Hand zu weit hinten, so ist die Gefahr gross, dass man Schwanzwirbel beschädigt oder den Schwanz anderweitig verletzt. Achtung: Diese Methode kann man nur bei grösseren und längeren Mambas a nwenden, Babys sind zu kurz und können daher blitzschnell mit einer 180° Wendung in die Hand beissen. Will man den oben bereits erwähnten Vergleich der Mambaarten mit Sportwagen weiterführen, so wäre Dendroaspis jamesoni kaimosae ein „Ferrari“. Meine beiden Tiere kriechen nicht auf den Ästen, nein sie fliegen durchs Geäst. Sie schiessen in einem Bruchteil einer Sekunde durch das ganze Terrarium und wieder zurück. Will man einen solchen „Ferrari“ herausnehmen, so ist es sehr wichtig, dass man ausreichend Platz um das Terrarium hat. Oft muss man das Tier von einer Ecke des Terrariums zur anderen jagen, bis es plötzlich herausgeschossen kommt und man es dann im letzten Drittel des Körpers mit der Hand festhalten kann.Bei mir werden alle Mambas nur mit einem oder zwei Haken gehandhabt. Das Arbeiten mit einer Zange ist mit einem zu grossen Risiko verbunden die Schlangen zu verletzen. Mambas sind für ihre Grösse relativ leicht, aber dennoch recht kräftig. Je fester man eine Schlange festhält, desto mehr versucht sie sich aus der Umklammerung zu lösen, indem sie den Körper hin und her schlägt. Dadurch ist die Gefahr gross, dass irreparable Rückgratschäden auftreten. Dasselbe gilt auch für Schlingen. Vor allem beim Lösen einer Schlinge ist die Gefahren eines Unfalles nicht zu unterschätzen. Doch trotzdem gibt es natürlich Schlangenspezialisten die mit Zangen oder Schlingen gut umgehen können, wie z.B. erfahrene Schlangenfänger in Südafrika. Übung macht den Meister, keine Frage. Nur meine Tiere sind mir für solche Experimente zu schade. Ein befreundeter Terrarianer besitzt eine Greifzange (gentle giant snake tong) der Firma Midwest aus den USA. Der Aufbau und die Führung des Kabels im Innern der Zange ist sehr gut durchdacht und gibt einem ein sehr gutes Gefühl in der Hand bezüglich Druck und Greifen. Solche Zangen sind bei uns wirklich noch eine Marktlücke und ich hoffe, dass sie auch in Europa in nicht allzu ferner Zukunft erhältlich sind. Die bei uns im Handel befindlichen Zangen eignen sich leider nur, um Futter aus sicherer Distanz zu reichen, wie z. B. Kaninchen bei Riesenschlangen. Ausserhalb des Terrariums verhalten sich die diversen Mambaarten wie folgt: Dendroaspis angusticeps bleibt normalerweise relativ ruhig auf dem Haken, wenn man selber auch ruhig und langsam arbeitet und keine hektischen Bewegungen macht. Meistens kann man die Tiere sogar ruhig auf den Boden oder auf einen Schaumstoff legen, um sie danach zu fixieren. Auch das Umsiedeln in eine Box ist meist kein Problem. Doch genau weil 9 von 10 Tieren so ruhig sind, besteht eine grosse Gefahr sie zu unterschätzen oder nicht mehr richtig einzuschätzen. Denn auch eine D. angusticeps kann richtig Gas geben und sehr flink sein. Also Vorsicht im Umgang mit diesen Tieren!Dendroaspis viridis gehört zu den hektischeren und flinkeren Arten. Diese Schlangen möchten in der Regel immer nur so schnell als möglich fliehen. Da braucht es schon mehr Konzentration und Schnelligkeit um nicht gebissen zu werden. Sie sind auch viel agiler und lebendiger und mögen keine Berührungen, mit was auch immer. Erst wenn es einer D. viridis wirklich zu bunt wird, macht sie eine 180 °-Drehung und kommt auf einem los. Meist jedoch nur kurz, um erneut wieder zu fliehen. Sie startet sozusagen einen Scheinangriff in der Hoffnung, dass man sie loslässt.Dendroaspis jamesoni kaimosae ist die nervöseste von allen drei grün gefärbten Mambaarten. Diese Tiere haben viel weniger Geduld als die anderen Mambas und versuchen meist nur kurz zu flüchten. Gelingt dies nicht weil man sie festhält, so machen sie um 180 ° kehrt, springen den vermeintlichen Feind mit geöffnetem Maul an und versucht sofort zu beissen. Der Umgang mit dieser Mambaart erfordert nach meinen Erfahrungen höchste Konzentration und die sehr schnelle Reaktionen, damit man nicht gebissen wird. Schnelles und vor allem konsequentes Handeln sind ein Muss.Da alle drei grünen Mambaarten arborical (d.h. baumbewohnend) sind, können sie sehr gut klettern. Der Schwanz wird als Greiforgan genutzt, um sich festzuhalten. Deshalb muss man sehr gut aufpassen, wenn man eine Mamba auf der Höhe der Kloake mit der Hand fest hält. Sich am eigenen Körper in Richtung der festhaltenden Hand hochzuziehen bereitet keiner Mamba wirklich Mühe. Hält sie sich noch mit dem Schwanz fest, so kann man sie nicht mal loslassen. Hält man sie jedoch weiter hinten am Schwanz, geht man das Risiko ein, ihr ein paar Schwanzwirbel zu brechen. Ist es ausnahmsweise einmal notwendig eine Mamba am Kopf zu fixieren, so geschieht dies am Besten mit Hilfe eines Schlangenhakens und eines Stücks Schaumstoff. Mambas sind relativ leichtgewichtige Schlangen und haben auch nicht die gleiche Kraft wie eine Kobra vergleichbarer Grösse. Da sie jedoch ausgesprochen schnell sein können und selten ruhig bleiben, hat man praktisch keine Chance, sie mittels einer Astgabel zu fixieren. Mit einem stabilen, einteiligen Schlangenhaken oder etwas ähnlichem, parallel zum Boden gehalten, kann man eine Mamba  auf einem Schaumstoff sehr viel leichter fixieren. 

 

im Terrarium

Das Verhalten im Terrarium bei den täglichen Arbeiten

 „Wasser beruhigt“, so sagt man wenigstens, und es trifft auch bei den meisten Schlangen zu. Deshalb ist oberstes Gebot bei der Reinigung des Mambaterrariums, dass immer ein Wasserzerstäuber griffbereit ist. Gewöhnt man die Mambas von klein an daran, dass sie bei Reinigungsarbeiten oder beim Wasserwechsel zuerst mit handwarmem Wasser besprüht werden, so lernen sie, dass es bei dieser Behandlung kein Futter gibt und bleiben ruhig. Mambas gewöhnen sich an bestimmte Abläufe und auch an den Pfleger. Es wäre viel zu aufwändig und auch unnötig, sie bei jeder Reinigung und jedem Wasserwechsel zuerst aus dem Terrarium zu nehmen und in Boxen zu verstauen. Auch kann man nicht immer warten bis sie in eine Schlupfkiste kriecht, die ein gefahrloses Hantieren im Terrarium ermöglichen würde.Meine Dendroaspis angusticeps verkriechen sich beim Besprühen mit Wasser oft in die Schlupfkiste. Sie sind offensichtlich etwas wasserscheu. Doch auch wenn sie oben auf dem Geäst liegen bleiben kann man mit langem Besteck und Zangen den Boden reinigen und das Wasserbecken herausnehmen. Dabei sollte man in jedem Fall ruhig und langsam arbeiten. Solange man schnelle Bewegungen vermeidet, wird man von den Schlangen interessiert von oben beobachtet.Dendroaspis viridis liegen wie die anderen Mambas meist zuoberst in den Ästen. Auch hier kann man nach dem Besprühen der Tiere sehr gut den Bodengrund mit langem Werkzeug reinigen und das Wasserbecken herausnehmen. Auch hier wird man genau beobachtet, doch die Tiere bewegen sich in der Regel nicht. Wichtig ist nur zu wissen, dass D. viridis keine Berührungen am Körper mögen. Falls man eine gehäutete Haut von den Ästen nehmen muss, so sollte man immer darauf achten, dass man die Schlangen nicht berührt. Andernfalls kann es zu hektischen Szenen kommen.Dendroaspis jamesoni kaimosae ist immer hungrig und deshalb nur mit grosser Vorsicht zu behandeln. Diese Mambas lassen sich nicht so einfach mit Wasser beruhigen oder abschrecken und man muss immer auf der Hut sein. Auch diese Art lässt sich nicht gerne berühren und kann extrem hektisch darauf reagieren. Wird bei diesen Schlangen eine Terrarienscheibe geöffnet, um Kot zu entfernen oder das Wasserbecken zu wechseln, so muss man immer sehr aufmerksam und sprungbereit sein. Der beste Trick ist, dass man seiner D. j. kaimosae eine Maus oder Ratte verfüttert und wartet, bis sie mit dem Fressen anfängt. Während dem Fressvorgang kann man dann die nötigen Reinigungsarbeiten sehr gut durchführen, jedoch jederzeit darauf bedacht, dass man die Schlange nicht berührt und niemals aus den Augen lässt.

 

beim Fressen

Verhalten beim Fressen

 Während man Mamba-Babies in der Regel zumindest am Anfang nur lebendes Futter fressen, nehmen adulte Tiere meist sowohl lebende als oft auch frisch getötete Beute an, die man in Schalen oder Untersetzern auf dem Boden des Terrariums serviert. Doch am liebsten haben sie es, wenn das Futter lebend am Boden umher springt. Sofort bricht dann der Jagdinstinkt durch und Sekundenbruchteile später lauern sie schon der ersten Maus oder Ratte auf und beissen zu.Als erste Mambaart pflegte ich ein Pärchen Dendroaspis viridis. Die ersten Jahre wurden die Tiere getrennt aufgezogen und im Alter von 3 Jahren zusammen in ein Terrarium übersiedelt. Beim Füttern werden jeweils ca. 6 Futtertiere lebend ins Terrarium gesetzt. Zuerst werden immer alle Mäuse oder Ratten tot gebissen. Erst wenn sich nichts mehr bewegt, wird mit dem Fressen begonnen. Haben die Schlangen genug gefressen, wird der Rest einfach liegen gelassen. Dieses Verhalten hat sich bis heute nicht verändert. Füttert man tote Beutetieren, so kann man das Futter zum Teil sogar mit einer langen Zange reichen. Bei der ersten Maus wird oft zuerst nur kurz zugebissen. Erst wenn man der Schlange das Beutetier ein zweites Mal reicht, wird es festgehalten.Meine D. j. kaimosae sind Vielfrasse und ständig hungrig. Die Tiere töten wie meine D. viridis erst alle Futtertiere, aber fressen danach – im Gegensatz zu D. viridis – dann aber auch alle. Um herauszufinden wie viel meine D. j. kaimosae fressen können, bot ich einem Tier einmal acht Mäuse an. Diese wurden alle gefressen und auch nicht wieder erbrochen. Da ich meine D. j. kaimosae jedoch nicht überfüttern möchte, beliess ich es bei diesem einen Versuch. Der Vorteil einer solchen „Fressmaschinen“ ist, dass die Weibchen nach der Eiablage schon sehr bald wieder ihr übliches Gewicht zurück gewonnen haben. Auch frisch getötetes Futter, serviert auf dem Boden in einer Schale wird gefressen. Füttert man mit der Pinzette, so wird meist bei der ersten Maus nur hineingebissen und losgelassen. Die Maus muss man dann auf den Boden legen, wo sie auch schon bald geholt wird. Ab der zweiten Maus wird diese mit dem Maul direkt ab der Pinzette festgehalten und gefressen. Auch dieses Verhalten zeigen meine beide Tiere. Da meine D. j. kaimosae nur zur Paarung zusammen in einem Terrarium leben, wird vor allem in dieser Zeit die Fütterungsmethode mit den frisch getöteten Mäuse, serviert in einem Unterteller angewendet.Als letzte der drei grünen Mambaarten die den Weg zu mir fanden, haben mich meine Dendroaspis angusticeps überrascht und in Staunen versetz: Nachdem ich das erste Mal – ich halte 1.1 in einem Terrarium zusammen – so um die 8 Mäuse lebend ins Terrarium getan habe, ging sogleich die Jagd los. Eine Maus wurde gebissen und nachdem sie sich nicht mehr bewegte, auch gefressen. Es kann auch mal vorkommen, dass noch eine zweite Mäuse gebissen und danach verspeist wird. Doch wenn die Schlangen genug gefressen haben lassen sie die noch übrig gebliebenen Mäuse am Leben. Ich habe das mehrere Male ausprobiert und das Verhalten war immer dasselbe: Stöbern zu viele Mäuse im Terrarium, so dass sich die Schlangen gestört fühlen, so ziehen sich meine zwei Mambas zurück in die im oberen Teil des Terrariums befindliche Schlupfbox zurück, welche für die Mäuse nicht erreichbar ist und schauen gelassen herunter auf das muntere Treiben. Einfach Unglaublich.Zwei Eigenschaften gibt es jedoch, die alle meine drei Mambaarten gemeinsam haben: Zum einen habe ich noch nie Futterneid beobachten können. Jedes Tier frisst seine vorher getötete Maus oder Ratte und lässt die anderen Schlangen in Ruhe. Bei der Jagd kann es schon mal hektisch zu und her gehen, doch in der ganzen Zeit in welcher ich nun Mambas halten, konnte ich nur einmal feststellen, dass das Männchen von Dendroaspis viridis die Maus dem Weibchen wegnehmen wollte, jedoch gleich wieder losliess. Andererseits konnte ich feststellen, dass während der Häutung die Futteraufnahme eingestellt wird. Auch da habe ich erst einmal erlebt wie mein D. j. kaimosae-Männchen während der Häutungsphase eine Maus gefressen hat. Ansonsten wird kein Futter angenommen. Das hat den Vorteil, dass man selbst bei einer Gruppenhaltung gezielt Füttern kann, obwohl ja immer ein Tier ein wenig dominanter ist, als die anderen.Alles in allem ist die Haltung von Mambas extrem faszinierend, wenn gleich auch nicht ungefährlich. Egal wie träge oder ruhig ein Tier ist. Nie sollte man eine Mamba unterschätzen und immer einen gebührenden Abstand einhalten. Denn sind wir ehrlich, stehe ich vor einem geöffnetem Terrarium mit dem Haken Richtung Mamba, so könnte sie über den Haken und meinen Armen auf der einen Seite hinauf, um den Hals und auf der anderen Seite wieder herunter und zurück ins Terrarium schiessen, bevor ich überhaupt mit den Augen geblinzelt habe.

 

Schlagzeilen

Am 28.01.2012 sind die ersten Nachzuchten auf die Welt gekommen, resp. wurden im Terrarium gefunden, wobei die Suche noch nicht angeschlossen ist.
Es hat 5 Lebende und 2 Tote Atheris squamigera gegeben. Es ist der erste Wurf vom grünblauen Weibchen was mich sehr gefreut hat.

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