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Umfärbung bei Naja kaouthia, der Monokelkobra (Lesson,1831) vom juvenilen bis zum adulten Stadium.
Ein Bericht von Roger Aeberhard und Udo Hagen, Reptilienzoo-scheidegg.com zu finden in der Terraria Nr. 25 September / Oktober 2010, Natur und Tier- Verlag, www.ms-verlag.de
Welche/r Giftschlangenhalter/in kennt sie nicht, die Monokelkobra.Die in der Umgebung von Nordindien (östlich von Delhi), Assam, Nepal, Bangladesch, Burma, Thailand, Nord-Malaysia, Kambodscha, Vietnam südlichen Hälfte, wahrscheinlich südlichen Laos, China (Yunnan, Sichuan) vorkommende Kobra (W. Wüster, www.bangor.ac.uk), bezeichnend durch ihre Monokelzeichnung auf dem Rückenschild ist wohl eine der am häufigsten gehaltene Kobra in der Terraristik.

Das die Monokelkobra jedoch nicht immer ein schönes, geschlossenes Monokel auf dem gespreiztem Schild aufweist ist wohl allgemein bekannt.

Als eine Art, die einen grossen Toleranzbereich in Bezug auf ihre Lebensbedingungen (euryök), ist sie nicht nur in der Terraristik als unkomplizierte Art weit verbreitet, sondern gleichfalls als Kulturfolgerin in ihrem natürlichen Lebensraum. Gerne nutzt sie Biotope auch in der Nähe von menschlichen Siedlungen, Dörfern und deren Müllhalden.
Die Farbvariationen von Naja kaouthia sind schier grenzenlos, von schwarz, oliv, grautöne über die verschiedensten braun- bis rötliche Farbtöne, von dunkel bis hellbeige und Albinotisch sogar sehr helle bis weisse Tiere (leuzystischen und Suphantiere) gibt es alles. Selbst Farbmorphen wie zum Beispiel axantisch gibt es schon. Viele Exemplare haben eine unregelmässige Bänderung, bestehend aus vielen kleinen weissen oder hellen Punkten. Doch auch einfarbige Tiere sind sehr häufig.
Umso erstaunlicher ist es, dass man über die Umfärbung im juvenilen Alter praktisch nichts weiss oder selten mal was liest oder auch hört. Deshalb möchten wir hier ein paar Beispiele zeigen die wirklich äusserst Interessant sind.
Es geht hierbei nicht um Geschlechtsdichromatismus, also nicht um die unterschiedliche Färbung von Männchen und Weibchen, sondern darum, dass sich Exemplare von Naja kaouthia in ihren ersten Jahren farblich verändern können (ontogenetischer Farbwechsel). Doch holen wir zuerst ein wenig aus und nennen ein paar Beispiele, die nicht so überraschend sind.
Bekannt sind solche farblichen Veränderungen, um bei der gleichen Gattung zu bleiben, vor allem von der Marokkanischen Kobra Naja haje legionis, die oft in Hellbraun- bis Rosatönen und mit einem schwarzen Kopf und Hals auf die Welt kommen und im Alter kastanienbraun bis schwarz werden. Unsere Nachzuchten wurden im juvenilen Alter zuerst richtig schwarz und färbten sich danach in ein schönes Rotbraun um.

Auch bei der gebänderten Kobra, Naja annulifera die meist in einem einfarbigen hellbraun, (manchmal leicht schwarz gesprenkelt) ähnlich wie Naja nivea auf die Welt kommt und erst innert Monaten zuerst eine Bänderung sichtbar wird (mit schwarzen Punkten angedeutet) und nochmals einige Monate später erst die Farben der Bänderung erscheinen. Auf violetter- bläulicher Grundfärbung erscheinen zuerst gelbe Bänder (mit und ohne Sprenkelung), die sich im Alter auf weiss umfärben können (es gibt auch Tiere die unifarben sind und bleiben).

Oder die Kapkobra, Naja nivea die ebenfalls meist uni hellbraun mit einem dunkelbraunen Band auf der Halsseite auf die Welt kommt und von einfarbig schwarz über dunkel oder hellbraun- gelb bis extreme Sprenkelungen mit gelben, schwarzen, weissen oder roten Punkten oder Flecken sich das ganze Leben verändern kann, nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Mehr bekannt sind die Fälle von Suphan- Exemplare der Naja kaouthia die schneeweiss auf die Welt kommen, jedoch im Alter etwas abdunkeln, vor allem oft auch auf der Oberseite des Kopfes. Leuzistische Exemplare haben keine Pigmentzellen und sind deshalb bis ins hohe Alter schneeweiss.


Udo Hagen sowie auch ich haben je 2 und 3 Exemplare die sich in den ersten 6 Lebensjahren farblich extrem verändert haben, über die wir hier berichten möchten. Kleine farblichen Veränderungen innert Jahren fallen einem oft gar nicht so sehr auf und vermutlich sind Farbveränderungen in diesem Masse wie bei folgenden Beispielen auch nicht alltäglich. Auch wir haben nicht schlecht gestaunt, wie sich die Tiere im laufe der Jahren verändert haben, doch seht selbst.
Ein Männchen das in einem grünlichbraunen Farbton mit einer weissen unregelmässigen Bänderung oder Maserierung auf die Welt gekommen ist, hat sich innert 4 Jahren auf ein hellbeige umgefärbt. Die Bänderung ist praktisch verschwunden und auch die schwarze Umrandung des Monokels hat sich aufgelöst.

Ein Weibchen aus dem selben Wurf kam in einem noch helleren grünbraunen Ton auf die Welt mit einer unregelmässigen Bänderung jedoch nur kurz hinter dem Hals. Dieses Tier hat sich in ein helles braun umgefärbt. Auch die hellen Punkte der Bänderung sind noch schwach zu s ehen. Die Monokelzeichnung ist unverändert, nur die schwarzen Ränder im äusseren Rand des Schildes sind verschwunden.

Bei unseren Exemplaren handelt es sich zum einen um ein Weibchen welches in einem schönen hellbraun mit einer unregelmässiger Bänderung auf die Welt kam und sich innert 4 Jahren auf ein helles créme umgefärbt hat, (es hat den inoffiziellen Namen Crémesicle) :-)

sowie ein Männchen, das in einem rehbraun mit einer ähnlich breiten unregelmässigen Bänderung geboren wurde und sich danach über ein ocker in ein dunkleres grünbraun umgefärbt hat. Jetzt im Alter von 6 Jahren ist das gleiche Tier hellbraun, einfach Unglaublich. Nur die Kopfoberseite blieb immer sehr dunkel und wurde jetzt praktisch schwarz. Die Monokelzeichnung verblasst ebenfalls immer mehr.


Das gleiche Tier wurde plötzlich hell.
Ein zweites Weibchen färbte sich ebenfalls zweimal in die entgegen gesetzte Richtung um. Mit einem dunkelbraun und weisser Bänderung auf die Welt gekommen, hat sie sich zuerst in ein helleres braun umgefärbt. Die Bänderung hat sich nicht verändert. Zwei Jahre später wurde das Weibchen wieder dunkelbraun. Es würde mich nicht verwundern wenn es noch dunkler bis schwarz wird. Nur diese unregelmässige Bänderung bleibt immer gleich, unverkennbar anhand der Zeichnung wo die dritte und die vierte Binde miteinander verbunden sind.

Wie viele Jahre sich die Tiere farblich weiter verändern wird sich herausstellen. Doch wir vermuten dass vereinzelte Exemplare sich durchaus über 10 Jahre umfärben können.
Natürlich gibt es jedoch auch viele Exemplare die sich in der Färbung überhaupt nicht verändern. Wir hatten einmal ein Exemplar das praktisch schwarz auf die Welt kam und das es auch so blieb. Bei allen hier abgebildeten Naja kaouthias handelt es sich um Nachzuchten von André Stehlin, Dübendorf, Schweiz. Die Elterntiere kommen aus Thailand.
Interessant wäre natürlich jetzt noch die Gründe für ein Umfärben heraus zu finden. Handelt es sich nur um Tiere aus einem bestimmten Gebiet die sich Umfärben oder ist es generell in allen Verbreitungsgebieten möglich? Handelt es sich um eine Überlebensstrategie, eine otogenetische Umfärbung oder einfach eine Laune der Natur? Sicherlich gibt es in diesem Bereich noch viel zu erforschen und weitere Daten zu sammeln. Es bleibt Spannend.

Udo Hagen & Roger Aeberhard
Quellen:
Internetseite von Dr. W. Wüster: http://www.bangor.ac.uk/~bss166/
Udo Hagen, Reptilienzoo Scheidegg, Deutschland
Roger Aeberhard, Snakeparadise, Schweiz
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